Zusammenschließen…

Die Fachzeitschrift „Menschen machen Medien“ hatte uns gebeten ein paar Fragen  zu unserem Kollektiv und unserer Arbeitsweise zu beantworten. Anstelle uns an den Fragen einfach abzuarbeiten, haben wir eine Stellungnahme geschrieben, die wir euch nicht vorenthalten wollen:

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Zusammenschließen bedeutet auch, zusammen Projekte zu photographieren, wie hier 2014 beim D-Day in der Normandie, zusammen mit einem Veteran.

 

Für photojournalistische Arbeit gab es noch nie viel Geld. Es ist eine Sache, Geschichten im Nachhinein zu verkaufen. Eine ganz andere ist es, wenn Verlage oder Redaktionen Photographen die finanzielle und zeitliche Freiheit geben, sich in Ruhe mit Themen zu beschäftigen. Das bezahlt kein Medium mehr in Deutschland. Die Gründe dürften vielschichtig sein: Mangelnde Wertschätzung für die Photographie, Buchhalter statt Redakteure, die die Marschrichtung der Redaktionen bestimmen etc.

Die Frage, ob das was mit Konkurrenz, Preisdumping oder photographierenden Amateuren bzw. Nachrichtenagenturen zu tun hat, können wir klar mit nein beantworten. Es ist den Medien einfach nicht mehr wichtig, mit photojournalistischen Geschichten zu überzeugen und damit ja auch in die Gesellschaft zu wirken. Es ist ihnen und den Konzernen dahinter nur wichtig, eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Die Zeiten, wo Verleger noch ein verlegerisches Interesse verfolgten, sind längst vorbei.

Wir, die Mitglieder von attenzione photographers, erarbeiten unsere Photogeschichten frei und besorgen uns das nötige Geld durch andere photographische Aufträge im Bereich Werbung und Corporate – oder durch Photo-Seminare.

Dass wir das schon so viele Jahre durchhalten, immer wieder losziehen, um ein Thema allein oder zusammen zu bearbeiten und, ganz wichtig, diese Geschichten auch zu zeigen, schaffen wir, weil wir uns gegenseitig unterstützen. Wir arbeiten an unserer Qualität, reden sehr offen über unsere Bilder und helfen uns gegenseitig zu planen – egal ob das die Reise nach Syrien ist oder eine Ausstellung in Hamburg. So wie ein Text gelesen werden muss, um etwas zu bewegen, so müssen Bildergeschichten gezeigt werden. Andere Meinungen sind wichtig, gerade bei selbstverliebten Photographen. Wir brauchen Kollegen, die uns offen ihre Meinung zu unseren Bildern sagen, die uns unterstützen in technischen wie inhaltlichen Herausforderungen. Eine Gruppe also, die zusammen etwas wuppt.

Die Menschen da draußen wollen erreicht werden. Wenn es kein anderer finanziert, musst du es halt selbst tun. Dich zum Billigheimer zu machen, bringt dabei – zumindest langfristig – gar nichts. Wir als attenzione photographers machen uns nicht billig. Wir gehen los und photographieren unsere Geschichten. Da- nach zeigen wir sie. Und um das zu können, muss man mit Gruppen, Institutionen oder Stiftungen zusammen arbeiten, die das auch gut finden, über was man da berichtet. Auch über Crowdfunding haben wir uns schon die finanziellen Mittel organisiert, um eine Ausstellung und dazu eine Bilder-Zeitung zu realisieren. Das hätte keiner von uns allein geschafft. Dafür ist es gut, ein Photographenkollektiv zu sein.